ScusiBlog

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Mar 28, 2009 - 1 minute read - Censorship Zitat Zum drüber Nachdenken

Zitat zum Sonntag | Zensor

Ein Zensor ist ein menschgewordener Bleistift oder ein bleistiftgewordener Mensch, ein fleischgewordener Strich über die Erzeugnisse des Geistes, ein Krokodil, das an den Ufern des Ideenstromes lagert und den darin schwimmenden Literaten die Köpf’ abbeißt.

Johann Nepomuk Nestroy (1801-1864), österreichischer Schauspieler, Sänger, Dramatiker und Satiriker

Mar 26, 2009 - 2 minute read - Mein Senf! Repression

Nochmal zur Durchsuchung beim wikileaks.de Domain Inhaber

Nachdem ich den heise Artikel zu der Aktion nochmal gelesen habe ist mir da was aufgefallen.

In dem Update zu dem Artikel auf heise.de ist eine Stellungnahme eines Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden dokumentiert. Darin heißt es dass nach einem Hinweis

aus dem polizeilichen Bereich, der einen Anfangstatverdacht begründete, ein Ermittlungsverfahren wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften eingeleitet […]

wurde.

Wenn ich das so lese denke ich erstmal an den Text von Mr. X den ich ursprünglich veröffentlicht habe. Diesen Text habe ich wieder offline genommen, nachdem mich die selbst ernannten Rächer des Internets wegen der Veröffentlichung beim BKA angezeigt haben. Der Vorwurf lautete eben auch “wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften”. Der Text ist auch auf wikileaks gepostet worden (Ich war’s nicht!). Vielleicht geht es gar nicht um die Sperrlisten, sondern um den Text von Mr. X. Dazu würde auch der Hinweis aus dem polizeilichen Bereich passen. Der Begriff polizeilichen Bereich scheint dann in diesem Fall so eine Metapher für BKA zu sein ;-).

Sperrlisten (oder zumindest Teile davon) gibt’s hier auch, den Text gibt’s hier nicht mehr, vielleicht hatte ich deswegen noch keinen dieser unangenehmen und unangemeldeten Besuche der Staatsmacht.

Was die Aktion sollte ist allerdings weiter fraglich. Beim Domain Inhaber deswegen eine Durchsuchung zu machen ist wirklich unangebracht und völlig unverhältnismäßig. Was glauben sie da zu finden? Die Polizei soll ja während der Durchsuchung nach den Zugangsdaten zu wikileaks.de gefragt haben. Was wollten sie denn damit? Dachten die etwa der Text verschwindet aus dem Internet oder auch nur von wikileaks wenn sie die Domain wikileaks.de (die nur weiterleitet oder spiegelt) abschalten? So doof kann man doch gar nicht sein.

Wenn man wirklich nicht sooo doof sein kann bleibt die Frage was sollte das dann? Einschüchterung? hilfloser Aktionismus? Oder wie Holgi meint eine Propganda Kampagne?

Mar 25, 2009 - 1 minute read - Pleiten. Pech und Pannen Shit happens Zum drüber Nachdenken

Von der DNA Analyse an der Nase rumgeführt

Der ein oder andere Leser hat vielleicht schon von diesem Phantom gehört, das die Polizei seit Jahren jagt. Das Phantom ist gefunden, aber es handelt sich nicht um eine Verbrecherin, sondern um eine Mitarbeiterin der Wattestäbchen Fabrik, die die Wattestäbchen hergestellt hat welche zur Laboranalyse benutzt wurden. Die ganze Story steht beim Stern unter http://www.stern.de/panorama/:Polizistenmord-Heilbronn-R%E4tsel-Phantom/659006.html.

Das passiert wenn man sich zu sehr auf die Technik verlässt statt ordentlich zu ermitteln. Und über die Qualität der DNA Analysen fang ich gar nicht erst an zu reden…. Unglaublich wie ich finde!

Mar 25, 2009 - 3 minute read - Censorship InfoPorn

Wo stehen die Server die in Norwegen gefiltert werden?

Die aktuelle norwegische Zensurliste (Stand: 18.0.3.2009) ist auf wikileaks veröffentlicht worden. Demnach werden in Norwegen gerade 3518* Domains geblockt. Wie immer, kommt hier die GeoIP Analyse der Liste…

Die Bilder der Liste wie sie ist

Wir können uns auf jeden Fall mal ansehen wo die Server stehen die auf dieser Liste stehen. Meine Leser kennen das schon, alte Technik mit neuem Input; Et voilà:

Oops, was ist den dieser rote Fleck in mitten Europas? Schau mal an Deutschland und die Niederlande stehen Rang 2 und 4 der norwegischen Sperrliste. Aber Vorsicht, diese Zahlen sind noch nicht um geparkte Domains bereinigt. Wenn man die geparkten Angebote raus nimmt bleiben nur noch 78 Einträge für Deutschland übrig. In anderen Ländern könnte das ähnlich aussehen. Also keine voreiligen Schlüsse ziehen. Vielleicht bereinigen wir die Liste besser…aber erstmal noch die Zahlen zum obigen Bild.

Die Zahlen der Liste wie sie ist:

Insgesamt stehen auf der Liste 3517* Host bzw. Domainnamen. 721 Einträge konnten nicht aufgelöst werden. Das heißt für diese Hostnamen konnte keine IP ermittelt werden. Bleiben 2796 Einträge übrig. welche mein geoip script insgesamt 34 Ländern zuordnen konnte.

Hier nochmal die Zahlen im Überblick (Vorne steht der zweistellige ISO Code des Landes, nach dem Doppelpunkt(:) die Anzahl der dort beheimateten Server): US:1585, DE:222, AU:188, NL:177, RU:162, CA:101, KR:68, PT:62, GB:56, CZ:38, SE:31, JP:24, BZ:11, CN:8, HK:8, FR:6, BS:5, MX:6, ES:5, IT:5, UA:4, TH:3, TR:3, DK:3, PA:3, IL:2, TW:2, LV:2, EU:1, BR:1, SK:1, RO:1, AR:1, NO:1

Veraltete und geparkte Einträge

Kommen wir zu den Einträgen ungültigen und geparkte Domains. Nun hat auch diese Zensurliste das Problem das auf ihr nicht nur 721 Domains vorgehalten werden die gar nicht mehr funktionieren. Darüber hinaus gibt es mindestens 299 Domains unter den Einträgen die geparkt sind und die Domain zum verkauf steht. Das heißt mindestens 1020 Einträge auf der norwegischen Liste sind schon mal per se überflüssig, das ist fast ein drittel der Liste. Das heißt auch dass ohne Leichen und geparkte Domains die Tatsächlichen Einträge auf ca. 2500 zusammen schmelzen.

Die Bilder und Zahlen für die bereinigte Liste

Wenn man die verbleibenden (also um nicht funktionsfähige und offensichtlich geparkte domains bereinigt) 2504 Einträge nochmal analysiert, dann ergibt sich das folgende Bild.

Die Zahlen für die bereinigte Liste

US:1431 AU:188 NL:177 RU:161 CA:100 DE:78 KR:68 PT:62 GB:56 CZ:38 SE:31 JP:24 BZ:11 CN:8 HK:8 MX:6 FR:6 BS:5 IT:5 ES:5 UA:4 TR:3 TH:3 DK:3 PA:3 IL:2 TW:2 LV:2 NO:1 EU:1 RO:1 AR:1 SK:1 BR:1

Total Countries: 34

Wie man sehen kann rutscht Deutschland nach der Bereinigung von Rang 2 auf Rang 6 ab**, bleibt aber unter den Top 10 Ländern, wie auf allen anderen (bekannten) Sperrlisten auch.

Update | Do 26. Mär 03:38:10 CET 2009

Lustiges Detail an der norwegischen Liste: Immerhin scheint es ein Test-System für die Filter zu geben. Der eine “gesperrte” Server in Norwegen ;-). filtertest.kripos.no [194.19.82.14] unknown NO Kripos ist die Kriminalpolizei. Die Seite zeigt die norwegische Stoppseite an.

*Wikileaks sagt es handele sich um 3518, ist aber nicht korrekt, die erste Zeile in der Datei ist eine Leerzeile und wurde anscheinend mitgezählt.

** Das liegt vor allem an dem deutschen Domainhändler Sedo, bei dem viele der gepartken Domains geparkt sind. Dieser Anbieter hat seine Server anscheinend vor allem in Deutschland.

Mar 25, 2009 - 3 minute read - Censorship Kommentar Zum drüber Nachdenken

Webzensur: Die meisten großen Provider wollen nun doch mitmachen

Laut dieser Meldung bei Heise.de wollen die meisten großen Provider in Deutschland jetzt doch bei der Webzensur mitmachen. Demnach wollen Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Hansenet/Alice, O2 und Kabel Deutschland mitmachen, wohingegen Freenet, Versatel und United Internet (1&1) erstmal nicht mitmachen wollen. Die Provider die nicht mitmachen wollen sollen dann (später) per Gesetzt gezwungen werden.

Die Telekom hat sich erstmal 3 bis 6 Monate ausgebenten die Sperren technisch umzusetzen. Die anderen werden wohl auch einige Wochen oder gar Monate brauchen. Das muss alles erstmal gebastelt, dann getestet und schließlich auf die produktiv Systeme übernommen werden.

Die Zensurbefürworter argumentieren ja gerne damit wie doll das Problem zunehmen würde (es geistert immer eine verdopplung der Fälle durch die Diskussion). Markus von Netzpolitik.org hat sich das mal genauer angesehen,…. nun ja seht selbst. Soviel dazu.

Dann ist mir da noch in diesem Artikel auf heise.de folgendes aufgefallen: Der Europol-Direktor Max-Peter Ratzel (das ist der der die Einstiegsdrogentheorie in Zusammenhang mit KiPo in die Diskussion gebracht hat, scusiblog berichtete) meinte zur Neuen Osnabrücker Zeitung u.a. dass die Erfahrungen im Ausland durchweg positiv seien. Ihm sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein unbescholtener Anbieter blockiert worden sei. Ach nein, mir sind da einige Fälle bekannt, aber ich helfe dem Europol-Chef doch gerne mal auf die Sprünge:

  • Die Seite lapsiporno.info welche über Zensur in Finnland berichtet und einem bekannten finnischen Zensurkritiker betrieben wird steht in Finnland auf der Sperrliste. Gegen ihn Vorgehen will man nicht, seine Seite von der Sperrliste nehmen auch nicht. Mehr zu dem Fall in dem Artikel Seite gesperrt, Betreiber verleumdet der Zeitschrift Freitag.

  • Dann ist da diese niederländische Spedition auf der dänischen Sperrliste. Auch völlig unklar was das soll.

  • Dann fällt mir spontan noch der australische - auf Kinder spezialisierte - Zahnarzt ein, dessen Server mal vor einiger Zeit gehackt wurde und mit Pornobildern verunstaltet wurde. Das ist lange her, seitdem nicht wieder vorgekommen und trotzdem wanderte seine Webseite auf die Sperrliste der ACMA. Mehr dazu (in Englisch) hier

Reicht das für’s erste? Es gibt bestimmt noch mehr Fälle. Die Analysen der Listen zeigen das praktisch jeder der bisher bekannt gewordene Listen offensichtlich falsche Einträge hat. Ich prognostiziere mal das auch auf der deutschen Sperrliste solche Einträge auftauchen werden. Ich bin mir auch so gut wie sicher das die deutsche Liste früher oder später leaken wird das dürfte so sicher wie das Amen in der Kirche sein.

Die Politik sagt ja selber das die Veröffentlichung einer solchen Sperr-Liste den SuperGAU darstellen würde. Hallo ihr Politiker, ihr seid gerade dabei die (negative) Veröffentlichung sowie die Verteilung dieser Listen an alle per Gesetzt festzuschreiben. Merkt ihr eigentlich noch irgendwas?

Völlig unklar ist auch wer denn nun die Stoppseite betreiben soll.

Gut fand ich auch das folgende Statement vom Europol-Chef:

Bei der großen Mehrzahl der Kinderporno-Konsumenten handelt es sich nicht um technische Experten, die eine Seiten-Sperre ohne Weiteres knacken können.

Dass die meisten Kinderporno-Konsumenten keine technischen Experten sind das könnte schon sein. Allerdings braucht man nichts knacken um die DNS Sperren zu umgehen, da muss man nur eine Einstellung ändern. Wahrscheinlich gilt das ändern der DNS Einstellungen auf meinem Host in Zukunft als Umgehung (wie beim Kopierschutz) und wird verfolgt. Diese Internetausdrucker sollten einfach mal den Mund halten wenn sie keine Ahnung haben, statt völligen Mist zu erzählen.

Damit gebe ich zurück in unser Sendehaus, Internet